Peter Schloss: DER BESTIRNTE HIMMEL ÃœBER MIR
Mar 8 - Apr 15, 2018
Peter Schloss: DER BESTIRNTE HIMMEL ÃœBER MIR
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Peter Schloss: DER BESTIRNTE HIMMEL ÃœBER MIR

Laut Kant sind es zwei Dinge, die das menschliche Gemüt mit Ehrfurcht und Bewunderung erfüllen: » der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir.« Wenn Peter Schloss – der vor seiner Zeit an der Kunstakademie Philosophie und Politikwissenschaft studierte – der Ausstellung den ersten Teil dieses Zitats als Titel gibt, darf man sicher sein, dass es ihm eigentlich auch um den zweiten Aspekt geht.

Zwar mag man bei dem Mobilé untereinander austarierter gelber Wasserwaagen an ein Planetensystem und bei dem großformatigen Streifenbild gleichmäßiger Grauabstufungen an Dämmerung denken. Doch kann es auch abstrakter um nuanciertere Bereiche eines Kontinuums jenseits von Schwarz und Weiß gehen, die unserem Wahrnehmungsapparat jeweils als hell-dunkel-Gradienten erscheinen, obwohl sie objektiv disparate, homogene Grautöne sind.

Auch dürfte die Wasserwaage als Inbegriff eines Wertes oder als Werkzeug zum Anzeigen und Ermitteln eines Ideals gelten, so das das Mobilé vielleicht eher einem komplexen interdependentem Wertesystems gleicht – das wie ein Organismus auf Einflüsse von außen reagiert.

Ähnliches scheint auf für die, mittels Permanentmagneten in der Schwebe gehaltene Wasserwaage naheliegend. Wird doch bei genauerer Beobachtung der Konstruktion ablesbar, an Hand welcher Achsen einzelne Elemente verschoben, an welchen Schrauben / Faktoren gedreht werden kann und welcher – im übertragenen Sinne – Aufwand nötig ist, um das fragile Equilibrium aufrecht zu erhalten; parallel zur sozialen Konstruktion von Normen und Werten.

Dementsprechend entpuppt sich der transparente Kasten neben einer flackernden Leuchtstoffröhre als großer analoger Zufallsgenerator. Das als 'Schalter' fungierende triple-pendulum stammt aus der Chaostheorie. Es zeigt bei jeder Bewegung aus einem stets identischen Anfangszustand ein jeweils anderes chaotisches bzw. individuelles Verhalten. Übertragen: wieso kommen Menschen, die der gleichen Faktenlage ausgesetzt sind zu divergierenden Überzeugungen und daraus resultierenden Verhaltensweisen?

Für Peter Schloss sind seine Arbeiten Denk-tools, mittels derer er analogieartig über unterschiedliche Systeme reflektiert. Wobei immer zu prüfen bleibt, wie weit diese Analogien tragen und wo sie an ihre Grenzen stoßen – dabei gelingt es ihm, seinem eigenen Erkenntnistrieb zu folgen, ohne didaktischer Besserwisserei anheim zu fallen. Nicht an rein formalen Fragen interessiert aber mit sicherer eigener ästhetischen Handschrift.